Kooperation: PING THE FUTURE - Wie gestaltet man eine temporäre Webseite zu unserem Kartenspiel, das Zukünfte verhandelbar macht?

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Speculative Design und das Spiel mit der Zukunft

Speculative Design richtet den Blick nicht auf das, was ist, sondern auf das, was sein könnte. Es entwirft mögliche, wahrscheinliche oder auch bewusst zugespitzte Zukunftsszenarien – utopisch wie dystopisch. Dabei geht es weniger um Prognosen als um Perspektiven und Erfahrbachmachen. Speculative Design schafft also Denkmodelle, um Annahmen zu hinterfragen, Werte offenzulegen und gegenwärtige Entscheidungen in einen größeren Zusammenhang zu stellen. Zukunft wird nicht vorhergesagt, sondern vielmehr verhandelt.

Spiele erweisen sich in diesem Kontext als besonders wirksames Medium. Sie übersetzen abstrakte Zukunftsfragen in konkrete Situationen, Rollen und Handlungen. Wer spielt, bleibt nicht Beobachter, sondern wird Teil eines Szenarios. Diese Beteiligung erzeugt Nähe: Utopien und Dystopien werden nicht nur diskutiert, sondern erlebt. Das Spielerische senkt die Hemmschwelle, auch widersprüchliche oder unbequeme Vorstellungen auszusprechen. Zukunft verliert ihren rein theoretischen Charakter und wird zu einem gemeinsamen Erfahrungsraum.

Genau hier setzt PING THE FUTURE an. Das Spiel wirkt über Beteiligung und gemeinsames Erleben. Wenn Menschen motiviert mitdenken, diskutieren und spekulieren, entsteht ein wichtiger Effekt: Zukünfte erscheinen nicht länger abstrakt oder bedrohlich, sondern werden als gestaltbar wahrgenommen. Der Austausch in der Gruppe stärkt das Bewusstsein, dass Entwicklungen nicht ausschließlich von äußeren Umständen bestimmt sind.

Ob in Bildung, Forschung oder Unternehmenspraxis: Das Spiel schafft einen strukturierten Raum für kollektive Zukunftsreflexion – als Diagnoseinstrument, als qualitative Grundlage oder als Einladung zum freien Denken.

Von der Spekulation zur Gestaltung

Wenn PING THE FUTURE Zukünfte verhandelbar machen will, muss sich dieser Anspruch auch in seiner Gestaltung widerspiegeln. Denn auch ein Spiel ist ein gestaltetes Objekt – mit Regeln, Dramaturgie, visueller Sprache und Interaktionslogik. Die visuelle und formale Ausarbeitung darf weder dystopische Schwere noch naive Zukunftseuphorie reproduzieren. Sie muss Offenheit signalisieren, ohne dabei beliebig zu wirken. Sie muss Orientierung geben, ohne die Interpretation zu dominieren. Schlussendlich wird Gestaltung damit selbst zu einem spekulativen Akt. Aus diesem Grund basiert die Webseite auf einer (fast schon) radikalen Reduktion.

Die großzügige, nahezu leere Fläche bestimmt im ersten Augenblick den Raum. Die Leere ist kein Mangel, sondern eine bewusste Entscheidung. Nach dem Gesetz von Figur und Grund wird das zentrale Element – in diesem Fall die Karte – eindeutig als Figur lesbar. Der Hintergrund tritt zurück, bleibt homogen und konkurriert dabei nicht um Aufmerksamkeit mit dem Hauptobjekt - der Karte. Es entsteht eine visuelle Ruhe, die gleichzeitig die Bedeutung des zentralen Objekts stärkt: Was isoliert steht, gewinnt an Gewicht.

Die zentrale Karte ist als reduziertes Rechteck mit abgerundeten Ecken zusätzlich als klare, geschlossene Form angelegt. Denn einfache, übersichtliche Formen werden schneller erfasst und als Einheit wahrgenommen. Der dezente Schatten ergänzt diese Wirkung, indem er eine leichte räumliche Abgrenzung vom Hintergrund schafft. Alleine damit würde die Karte schon eindeutig als Figur lesbar. Zusätzlich greift das Gesetz der gemeinsamen Region: Alles, was sich innerhalb einer Fläche befindet, wird automatisch als zusammengehörig wahrgenommen. Titel, Fließtext und Formular erscheinen dadurch nicht als lose Elemente, sondern als kohärente funktionale Einheit.

Auf dieser strukturellen Basis steht die Typografie mit ihrer ordnenden Wirkung. Die visuelle Hierarchie entsteht durch Größe und Gewicht. PING THE FUTURE bildet als markanter Schriftzug den primären Ankerpunkt. Der nachgelagerte Fließtext tritt bewusst zurück. Über das Gesetz der Ähnlichkeit werden Textbereiche mit identischer Schriftart und Farbigkeit als zusammengehörig gelesen. Differenzen in Größe und Gewicht strukturieren die inhaltlichen Ebenen. Orientierung entsteht hier nicht durch dekorative Mittel, sondern durch typografische Disziplin.

Das Formular setzt diese Logik konsequent fort. Das Eingabefeld ist klar abgegrenzt, der Pfeil als Sende-Icon fungiert als eindeutiges Handlungssignal. Das Gesetz der Nähe sorgt dafür, dass Eingabefeld, Checkbox und Einwilligungstext als funktionale Einheit wahrgenommen werden. Zugleich trennt ausreichender Weißraum diese Interaktionszone vom übrigen Inhalt. Nähe stiftet Zusammenhang, Distanz schafft Klarheit. Die Struktur bleibt nachvollziehbar, ohne erklärungsbedürftig zu sein.

Auch der Farbeinsatz folgt einer klaren Strategie. Das leuchtende Gelb rahmt die Fläche und erscheint punktuell als Akzent. Farbe übernimmt hier eine orientierende Funktion. Sie markieren relevante Bereiche und Interaktionspunkte, ohne die zentrale Karte visuell zu dominieren. Die Akzentfarbe strukturiert die Peripherie und stabilisiert dabei gleichzeitig die Gesamtkomposition.

Der kleine Punkt oben links – ergänzt durch die Bezeichnung: a speculative card deck – fungiert als reduziertes, temporäres Signet. Als elementare Form (vor allem in der Wahrnehmungspsychologoie) wird der Punkt häufig als Anfang oder auch Impuls interpretiert. Gleichzeitig verweist der „springende Punkt“ als interaktives Element auf die spielerische Logik des Projekts. Hier greift das Gesetz der guten Fortsetzung: Der Blick wird vom oberen linken Rand zur zentralen Karte geführt. Diese diagonale Blickführung erzeugt eine subtile Dramaturgie, die Aufmerksamkeit lenkt, ohne aufdringlich zu wirken.

Die gesamte Komposition bewegt sich zwischen Symmetrie und kontrollierter Asymmetrie. Die mittige Platzierung der Karte schafft Stabilität. Kleine Elemente in den Randbereichen – etwa datenschutz, impressum oder beta – setzen minimale Gegengewichte. Dadurch entsteht Spannung, ohne das Gleichgewicht zu gefährden. Das Layout bleibt ausgewogen, wirkt jedoch nicht statisch. Die leichte Irritation verhindert Monotonie und hält die Wahrnehmung aktiv.

Insgesamt folgt die Gestaltung einer konsequenten Reduktion. Wenige Formen, klare Kontraste und präzise gesetzte Farbakzente entsprechen erneut dem Gesetz der Prägnanz: Komplexität entsteht nicht durch Vielzahl, sondern durch strukturierte Bedeutung. In dieser ersten Version, die vorübergehend online ist - wird bewusst auf illustrative Zukunftsbilder verzichtet. Keine visuellen Klischees, keine dystopischen oder futuristischen Codes. Bedeutung entsteht durch Ordnung, Relation und Kontext.

Darin liegt die gestalterische Übersetzung des spekulativen Ansatzes. Offenheit manifestiert sich in großzügigem Raum. Partizipation wird durch klare Interaktionsangebote ermöglicht. Orientierung entsteht durch Hierarchie und Beziehung. Das Interface schreibt keine Zukunft fest. Es schafft die Bedingungen, unter denen Zukunft diskutiert werden kann.

Damit übernimmt die Gestaltung eine moderierende Funktion. Sie strukturiert Aufmerksamkeit, kanalisiert Wahrnehmung und erzeugt Kohärenz, ohne sich selbst in den Vordergrund zu stellen. Das Interface ist nicht bloß Oberfläche, sondern integraler Bestandteil des Spiels. Es entwirft keine Vision – es eröffnet einen Möglichkeitsraum.

Das Spiel wird als gemeinsame Kooperation entwickelt

Gemeinsam mit Pia Grumeth-Zechner und Sabrina Kusternik entwickle ich PING THE FUTURE - a speculative card deck. Es ist das einzige spekulative Zukunftskartenspiel, dass auf auf den Handlungen von Personen basiert und für Menschen gemacht ist, die neugierig auf gemeinsam erdachte Zukünfte sind und gleichzeitig den Mut haben, um Unbekanntem Raum zu geben

Möglich wurde unsere Zusammenarbeit durch das Programm we:transform der Kreativwirtschaftt Austria. Wertvolle Unterstützung erhielten wir von unserem Coach Isabelle Goller von Estuar - verbindend innovativ

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